Die Dienstagskolumne: Wenn plötzlich alle Oma heißen
- skienle
- vor 6 Tagen
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Habt ihr in letzter Zeit mal eine Speisekarte aufgeschlagen oder euch durch die neuen Food-Konzepte der Stadt gelesen? Urplötzlich kocht niemand mehr nach modernem Rezept, klassischer Küchenlehre oder schlichtem Standard. Nein, jede Tomatensauce köchelt jetzt streng nach dem gehüteten Geheimrezept einer italienischen Großmutter, die nachts um drei persönlich die Basilikumblätter im Garten streichelt.

Willkommen im Zeitalter von Nonnamaxxing.
Der Trend schreibt vor: Je mehr Falten, Mehlstaub und nostalgische Sehnsucht im Marketing-Konzept stecken, desto besser schmeckt die Pasta. Selbst das hippeste Start-up im Industriegebiet wirbt mittlerweile damit, dass die Falafel „nach Omas traditioneller Art“ frittiert werden. Dass Oma eigentlich aus Wuppertal stammte, lieber Mikrowellengerichte gegessen hat und von Kichererbsen maximal aus dem Fernsehen hörte, verschweigen wir an dieser Stelle einfach mal ganz dezent.
Das Phänomen geht tief: Wir sehnen uns in einer durchdigitalisierten Welt nach Echtheit, Handwerk und Geborgenheit. Und was verkörpert das besser als das Bild einer italienischen Nonna, die stundenlang Teig ausrollt?
Versteht uns nicht falsch: Wir lieben ehrliches Handwerk und echte Geschichten. Aber wenn nächste Woche das erste künstlich aufgezogene Franchise-Projekt mit „Omas authentischem Matcha-Kuchen“ um die Ecke kommt, schicken wir unsere eigenen Großmütter zum Testessen vorbei. Und die sind im Urteil strenger als jeder Guide-Michelin-Inspektor.





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