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Die Dienstagskolumne: Lost in Translation an Tisch 4

  • skienle
  • vor 9 Stunden
  • 1 Min. Lesezeit


Sommerzeit ist Touristenzeit. Und Touristenzeit ist in der Gastronomie die absolute Hochsaison für kulturelle Missverständnisse, erstaunte Blicke und schmunzelnde Servicekräfte.

Da wäre zum Beispiel der britische Gast in Bayern, der morgens voller Vorfreude auf ein herzhaftes Heimat-Frühstück „traditional Bavarian sausages“ bestellt. In seiner Vorstellung sieht er knackige, gebratene Nürnberger Würstchen auf dem Teller liegen – eben genau das, was für ihn den perfekten English Breakfast Sausages am nächsten kommt. Was der Service ihm stattdessen feierlich an den Tisch bringt? Zwei dampfende, weiße Brühwürste im heißen Wasserbad mit süßem Senf und einer Brezel. Der Blick des Gegners von kochendem Wurstwasser, der vergeblich nach Röstaromen sucht? Absolut unbezahlbar.


Oder nehmen wir den amerikanischen Touristen im italienischen Bistro, der völlig entsetzt den Kellner zu sich winkt, weil an seinem Tramezzino „der komplette Brotrand abgeschnitten wurde“. Er vermutet dahinter eine dreiste Sparmaßnahme der Küche oder ein vergessenes Endstück. Dass die fehlende Kruste und die watteweiche Textur der eigentliche Sinn des Lebens eines echten Tramezzino sind, wird zur lehrreichen Lektion für den restlichen Urlaub.


Die Gastronomie ist eben der einzige Ort der Welt, an dem man Sprachbarrieren und kulturelle Missverständnisse nicht mit dem Wörterbuch löst, sondern mit stoischem Lächeln, Geduld und einem extra Teller Senf.

 
 
 

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